Ronnie Coleman Supercop
Ein ganz normaler Tag auf dem Revier des Arlington Police Department in Texas: Bei der morgendlichen Besprechung im Briefing Room sitzt ein Mann, dessen Oberschenkelumfang ihn zwingt, die Beine so weit wie möglich auszustrecken, um unter dem Schreibtischstuhl Platz zu finden. Und das bei bescheidenen 180cm Körpergröße und einem Körperfettanteil von weit unter 10%. So wundert es auch nicht weiter, dass die lebende Bodybuilderlegende Ronnie Coleman die Bekleidungsrichtlinien der Arlingtoner Polizei, die als Beinbekleidung unter anderem Shorts vorsehen, besonders hervorhebt.
In einem Video auf Youtube kann man Ronnie Coleman als Police Officer einen ganzen Tag lang als Zuschauer begleiten. Die Kamera bleibt immer ganz nah dran, sei es beim verzweifelten Zufächern von Luft im augenscheinlich viel zu heißen Besprechungsraum oder beim mehrmals täglich zu beobachtenden Verzehr des obligatorischen Hühnchens mit Barbecuesauce, mit vollem Mund kommentiert: „I´m trying to stay clean!“. Überhaupt scheint seine hohe, fast greinende Stimme nicht recht zu seinem beeindruckenden Körper zu passen.
achtmaliger Mr. Olympia
Ronnie Coleman hat den weltweit bedeutendsten Titel im Bodybuilding, Mr. Olympia, von 1998 bis 2005 acht mal in Folge gewonnen. Das schaffte vor ihm nur Lee Haney (1984-1991). Arnold Schwarzenegger brachte es in den 1970er Jahren auf immerhin sechs Titel in Folge (insgesamt sind es sieben). Diese Erfolge allein dürften Ronnie Coleman zu einem reichen Mann gemacht haben. Heutzutage gibt es für den Gewinner satte 200.000 Dollar, insgesamt werden über eine halbe Million ausgeschüttet. Es muss mehr als die bequeme Kleidung gewesen sein, die Ronnie Coleman trotz seiner bereits großen Erfolge weiter dem Job bei der Arlington Police nachgehen ließ.
1025kg auf der Beinpresse
Ein Blick in eines seiner zahlreich angebotenen Trainingsvideos lässt eine Ahnung davon entstehen, zu welcher Disziplin und zu welchem Durchhaltewillen ein Muskelmann seines Formats fähig sein muss. Es existieren Aufnahmen, auf denen Big Ron zu sehen ist, wie er es mit 2300lbs (ca. 1025kg) auf der Beinpresse aufnimmt. Um Verletzungen zu vermeiden, hat er sich elastische Bänder fest um die Kniegelenke gewickelt. Auf der Beinpresse liegend pusht er sich durch lautes Geschrei: „Ain´t no to do but to do it! Yeah buddy! Ain´t nuttin but a peanut!“. Daraufhin drückt er das Gewicht zu schleppenden Hip Hop Beats mit den Beinen frei, löst den Sicherungshebel und stemmt die 1025kg mit schmerzverzerrtem Gesicht acht mal hintereinander in die Höhe. Eine weitere Einheit seines Trainigsplans sieht vor, rücklings 180kg verteilt auf zwei Hanteln immer und immer wieder in die Höhe zu reißen. Coleman kämpft mit den Gewichten. Bodybuilderkollege Phil Heath, der aktuell als der neue große Mann des Sports gesehen wird, bringt die nötige Haltung in einem Interview auf den Punkt: „Es gilt den Geist und die Muskeln zu vereinen, um die besten Ergebnisse zu erreichen. Jede Bewegung zählt. Ich versuche, den Gewichten klarzumachen, dass ich sie fertig machen werde und nicht sie mich.“
Steroide an der Tagesordnung
Dass möglicherweise auch noch andere Hilfsmittel zum Einsatz gebracht werden, deutet Heath in einem anderen Interview an. Betrachtet man das Ausmaß der aufgebauten Muskelmasse im modernen Bodybuilding, wäre jede gegenteilige Behauptung naiv. Anabole Steroide dürften im professionellen Bereich an der Tagesordnung sein und auch Eingang in Colemans Körper gefunden haben.
2011 wollte Coleman ein Comeback bei der renommierten Miami Pro Show geben, wurde jedoch von Bandscheibenproblemen ausgebremst. Im September und Dezember 2011 folgten zwei Operationen an der Wirbelsäule. Zuletzt sprach Coleman jedoch wieder von einem Comeback 2012. Hoffentlich übernimmt er sich diesmal nur nicht.
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